Türkei führt Verzögerung bei Devisengeschäften ein


Die türkische Bankenaufsicht BDDK hat diesen Montag eine eintägige Verzögerung bei Devisengeschäften eingeführt. Diese gilt für alle Einzelpersonen, die Devisengeschäfte über 100.000 USD in der Türkei tätigen wollen.

Die türkische Regierung versucht weiterhin, Geschäfte mit Fremdwährungen zu verteuern, um die türkische Lira zu stützen. Die Währung ist in den letzten Monaten stark unter Druck geraten. Grund dafür waren die politischen Turbulenzen im Land und vor allen Dingen die Entscheidung, die Bürgermeisterwahl in der türkischen Hauptstadt zu wiederholen.

Schon letzte Woche gab der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan bekannt, dass in Zukunft wieder Steuern auf Devisengeschäfte erhoben werden. Heute wurde eine neue Vorschrift veröffentlicht, mit der Devisengeschäft von Privatpersonen ab einem Volumen von 100.000 USD nur noch mit einer eintägigen Verzögerung ausgeführt werden dürfen. Die Vorschrift gilt schon ab dem nächsten Tag und soll potenzielle spekulative Devisengeschäfte verhindern. Die Vorschrift weckt Befürchtungen über Kapitalkontrollen, weil die türkische Lira in den letzten Wochen wieder stark an Wert gegenüber dem Dollar verloren hat.

Seit dem vergangenen Jahr hat die türkische Währung drastisch an Wert verloren. Als Auslöser gelten die politischen Auseinandersetzungen mit den USA. Schon 2016 gab es Auseinandersetzungen zwischen den beiden Regierungen, als der evangelikale amerikanische Pastor Brunson wegen Terrorvorwürfen von der türkischen Regierung in Haft genommen wurde. Der amerikanische Präsident Donald Trump verhängte daraufhin Sanktionen gegen zwei türkische Minister.

Die Festnahme von Brunson gilt als Erpressungsversuch für die Auslieferung von Fethulla Gülen. Er soll maßgeblich an dem Putschversuch im Juli 2016 beteiligt gewesen sein. Er lebt in den USA, und alle Auslieferungsanträge wurden von den USA abgelehnt. Im Verlaufe des Streits zwischen den beiden Nationen hat der amerikanische Präsident dann die Strafzölle auf türkische Stahl- und Aluminiumimporte verdoppelt. Erdogan rief daraufhin das türkische Volk auf, Elektrogeräte aus den USA zu boykottieren.

Die Konsequenz aus dem Streit der beiden Nationen: Während im Mai 2016 ein USD noch 2,5 Lira kostete, müssen die Türken heute über 6 Lira für die amerikanische Währung bezahlen. Die weiteren politischen Unruhen in den letzten Jahren waren bei den Stabilisationsversuchen dann auch nicht hilfreich. Durch die Abwertung entstand an den Börsen die Angst, dass die Türkei ihre Kredite in Fremdwährung nicht mehr bedienen kann. Die Börsenwerte der Banken, die in Verbindung mit der Türkei stehen, verloren zeitweise bis zu 12 Prozent an Wert.

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